Verlust

Es ist mitten in der Nacht, ich mach den Laptop um 0 Uhr aus. Ich leg mich ins Bett und will einfach nur schlafen. Einfach nur schlafen.
Ich hör Musik, doch höre nur meine Gedanken. Ich will doch einfach nur schlafen, denn nachgedacht habe ich den ganzen Tag über schon. Ich versuche mich auf die Musik zu konzentrieren, doch nach ein paar Minuten schweifte ich ab und merke erst nach mehreren Minuten, dass schon 3 Songs vergangen sind, ohne das ich einen einzigen richtig gehört hat.
Ich gucke auf mein Display, es ist 1 Uhr.
Ich gebe es auf mit der Musik, mach sie aus. Liege dort in meinem Bett, allein. Seit 16 Jahren allein. "1-Personen-Bett" beschreibt mein Beziehungsstatus perfekt - gar nicht für zwei Personen geschaffen. Ich denke weiter nach und weiter. Mir wird schlecht.
Ich gucke auf mein Display, es ist 2 Uhr.
Wie lange bin ich eigentlich schon allein? Wie lange hat keiner mehr nach mir gesehen, nachgefragt, wie es mir geht? Tränen fließen. Ich gehe ins Internet, sehe, wie toll doch ihr Leben ist. Konzerte, neue Wohnung, neue Freunde, Urlaub. Ich kann nicht aufhören zu weinen.
Bevor ich das Display sperre, schau ich auf die Uhr. Es ist 3 Uhr.
Ich wimmer leise vor mich hin, aus Angst, es würde jemand mitbekommen. Ich denke an die alten Zeiten mit diesen Freunden, die heute nicht mehr da sind oder gerade ein besseres Leben führen - ohne mich. Ich denke an die Verluste, an alle. Was ist noch da? Mir fällt nichts ein. Ich will am liebsten schreien, doch es geht nicht. Ich darf nicht laut sein, das erregt nur Aufmerksamkeit. Ich will allein sein, doch gleichzeitig bin ich doch schon so lange allein. Vielleicht will ich nicht mehr allein sein müssen, sondern eine Wahl haben.
Vielleicht hat mir jemand geschrieben. Ich gucke nach - nichts.
Ich gucke auf mein Display, es ist 4 Uhr morgens.
Ich wollte doch dieses Mal früher schlafen, wieso schaffe ich das nicht? Ich denke an die Fehler, die ich gemacht habe, bis ich schließlich merke, dass mein ganzes Leben ein einziger Fehler ist. Unfreiwillig fange ich wieder an zu weinen. Ich habe doch nie viel erwartet, nur ein wenig Halt und wahre Versprechen. Doch das war wohl zu viel. Ich will sterben, einfach nur sterben. Genau jetzt, doch ich habe kein Plan.
Ich schaue das fünfte Mal auf mein Display, es ist 5 Uhr.
Ruckartig hören die Tränen auf zu fließen und die Gedanken hören auf zu schreien. Leere. Ich werde müder und müder. Der letzte Gedanke war einfach nur schwarz.

Ich wache auf, merke, wie ein nächster einsamer Tag auf mich wartet. Ich will nicht aufstehen, ich will nur verschwinden. Bemüht greife ich nach meinem Handy.
Keine Nachricht, nur das tolle Leben der anderen.
Ich gucke auf das Display, es ist 13 Uhr.
Mal wieder zu lange gepennt, doch wenigstens war ich in meinen Träumen nicht so einsam, wie ich es heute wieder sein werde.
Unmotiviert schwinge ich mich aus meinem Bett und warte auf die Stunde Null, um mal wieder zu versuchen ohne Tränen einschlafen zu können.

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